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Studienfahrt nach Irland 2018

Bericht über die Studienfahrt nach Irland 2018

Sonntag, 7.30 Uhr: Nicht gerade der beste Freund eines Schülers. Kaum zu fassen, dass sich ein solch faules Wesen vom Bett aufraffen und die allzu schweren Koffer tragen konnte.Noch beeindruckender war dies, wenn man bedenkt, dass einen vier Lehrer für die kommende Woche beinah rund um die Uhr beobachten würden. Doch Irland, das Reiseziel selbst, klebte ein Pflaster auf die kleine Kratzwunde und motivierte unsere Bande, bestehend aus insgesamt 39 Schülern.

Nach einer reibungsfreien Anfahrt trafen dann auch schon die Protagonisten der Studienfahrt am Frankfurter Flughafen ein. Wie sich dann herausstellte, konnte uns Aer Lingus in Dublin auch wieder sicher zurück zum Boden führen. Während die einen deshalb außerordentlich motiviert und sehnsüchtig die Hände gegeneinander schlugen, um ein lautes, wiederkehrendes Geräusch herzustellen, schüttelten die anderen nur genervt ihre Köpfe und rollten mit den Augen. Doch als klar wurde, dass unser Flug sich nicht verspätet hatte, sondern sogar zu früh angekommen war, waren Letztere schließlich auch überzeugt.

Nach der Kofferannahme schritten wir durch den Flughafen Dublins, mussten uns allerdings kurze Zeit später erneut in einen Reisebus setzen, denn gelandet zu sein hieß noch lange nicht, dass wir auch angekommen waren. Nein, wir benötigten dieses Verkehrsmittel, um uns einmal komplett durch die Insel – von Ost nach West – chauffieren zu lassen.

Während die einen hierbei Musik hörten oder Serien schauten, verkrochen sich andere in den wohl erfrischenden Schlaf im Sitzen. Und hierbei ist unter „andere“ eher „fast alle“ zu verstehen. (Ich könnte nun als Beweis einige Bilder aus der Irland-WhatsApp-Gruppe der Stufe hervorkramen, doch dann hätte ich Angst gegen die neue Datenschutz-Grundverordnung zu verstoßen.)

Zur Mitte der Busfahrt galt es, Clonmacnoise als Zwischenstopp zu würdigen. Eine Klosterruine, die bereits im 6. Jahrhundert gegründet worden ist und seither als Pilgerort irischer Gläubiger gilt. Boshaft könnte man den Ort auch als „Pilgerort“ für Wikinger und Normannen bezeichnen, da dieses Kloster über 30 Mal von ihnen entweder verbrannt oder ausgeraubt wurde. Die Quelle für diese bewegte Vergangenheit ist ein Film, den wir vor Ort genießen durften.

Aufgrund der kühlen, frischen Luft im Zusammenspiel mit dem sanften Wind, der entlang dem dort liegenden Fluss wehte, und der saftig-grünen Wiese, die gemeinsam mit den uralten Monumenten einen geradezu prächtigen Farbkontrast herstellte, den man zuvor nur aus Gemälden weltbekannter Maler kannte, stellte sich die Kondition der Schüler und Lehrer vollständig wieder her, weshalb sie allesamt bei der Weiterfahrt … erneut einschliefen.

Aber letztendlich sind wir am Abend dann doch noch in Galway angekommen, an dem Ort, an dem wir die nächsten zwei Nächte verbringen sollten. Ein Ort, an dem Mädchen kreischen, wenn ein Straßenmusiker, wie es ihn in der Nähe unseres Hostels an allen Ecken gab, „Galway Girl“ von Ed Sheeran singt. Aber sei es ihnen gegönnt. Die Stadt, die direkt an der Westküste Irlands liegt, wies mithilfe all der kleinen Gassen und ebenso kleinen Pubs und Restaurants schon irgendwie einen entzückenden Charme auf. Galway war wortwörtlich Musik in den Ohren.

Auch wenn die Stadt ein Augenschmaus war, wanderten wir an den beiden Tagen ständig die Küste entlang. Bei einem Tagesausflug in den Connemara National Park, welcher erneut durch eine langwierige Busfahrt erreicht werden musste, bestätigte sich unser Landschaftsbild von Irland. Nah am Wasser, aber trotzdem bergig. Laut einem weiteren Einführungsfilm sollte die Umgebung verschiedene Tierarten beherbergen, doch die einzigen Geschöpfe, die wir begutachten konnten, waren irische Ponys direkt am Anfang der Wanderpfade sowie zahlreiche Touristen.

Auch dieser Weg dauerte knapp zwei Stunden bei einer Strecke von etwa vier Kilometern und auch dieser Weg war steinig und schwer. Und zusätzlich ziemlich windig. Vor allem, als wir am Gipfel angekommen waren und endlich Pause machen durften: Es gab also, abgesehen vom Genuss der schönen Landschaft natürlich, fast keinen Unterschied zum Schulalltag…

Am Fuß des Berges befand sich schließlich auch noch die Kylemore Abbey, ein Benediktinerinnenkloster. Teilweise zu einem Museum umgebaut zeigte die Ausstellung die Entstehung und das Leben an diesem Ort. Und auch dort war die Schule der Stichpunkt der Stunde, die wir dort verbrachten, denn immerhin wurden Bewohner bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts dort belehrt. Und ja, auch dies hätte man dort mithilfe eines Filmchens sehen können… Nicht weit von der Abtei entfernt und durch eine gepflegte Allee verbunden steht eine neugotische Kirche, die sicherlich so manchen hat verstummen lassen. Ob aus Respekt oder aus Langeweile, obliegt jedem selbst.

Am folgenden und letzten Tag an der Westküste genossen wir das mehr oder weniger unberührte Burren, welches als Karstlandschaft Irlands bekannt wurde, sowie die Cliffs of Moher, welche einem einzelne Szenen aus „Harry Potter“ ins Gedächtnis riefen. Die Steilklippen sind hierbei ebenso gefährlich wie Lord Voldemort selbst, da jegliche Sicherheitszäune fehlen. Ähnlich wie bei einer Mutprobe wollten schon einige von uns den ganz großen Ruhm erwerben und ihren persönlichen Aufstieg mithilfe eines einzigartigen Selfies einleiten, um dann doch nur 200 Meter in die Tiefe zu fallen. Doch aus Respekt und Liebe zum Leben flüchteten wir schließlich in den Reisebus, um die restliche Woche in Dublin zu verbringen.

Der Mittwoch begann früh mit einer Stadtführung durch die Hauptstadt, welche die Geschichte Irlands mithilfe des Besuchs bestimmter Gebäude oder Viertel ein wenig illustrierte. Es folgte ein Hauch von Freizeit, in der sich die Schüler und Lehrer mit Dublin vertraut machen konnten. Shops abklappern, Essen kaufen, herumlaufen und natürlich Museen anschauen, die uns die Lehrer empfohlen haben, ein Ratschlag, den wir natürlich alle beherzigt haben und dem wir natürlich nachgekommen sind. Natürlich. Die Orientierung durch die Stadt war tatsächlich relativ einfach. So ziemlich im Kern der Stadt steht nämlich ein 123 Meter hohes Monument, welches aufgrund der relativ wenigen Hochhäuser fast von überall erkennbar war. The Spire konnte man sich also ziemlich gut merken.

Am Nachmittag waren wir zum Evensong, also zum Abendlob und -gottesdienst an der St. Patrick‘s Cathedral eingeladen. Stehen und Sitzen in relativ regelmäßigen Abständen waren wir ja immerhin gewohnt. Gegen Abend wurde die Gruppe erneut geteilt, je nachdem, für welches Abendprogramm man sich schon vor der Fahrt entschieden hatte. Zur Wahl standen The Nightingale and The Rose, eine tragische Oper von Oscar Wilde, Ladies in the Blues, also Blues von Ladies, oder Shakespeares Richard III auf dem Plan. Ein Theaterstück, das bei mir tatsächlich die Sehnsucht nach dem Theater-Abo des Nationaltheaters Mannheim – diese Produktplatzierung war nicht abgesprochen – ordentlich aufgeheizt hat. Ein Theaterstück über einen Anti-Helden, Verrat, Mord und Totschlag. Ein sprachlich eher kompliziertes Werk, allerdings dargestellt von unglaublichen Talenten und geschmückt von düsterem Humor. Ich persönlich empfand diesen Abend im Nachhinein als Höhepunkt der Reise.

Auch am folgenden Tag waren wir erst einmal getrennt unterwegs: Ein Teil der Gruppe besuchte das epische EPIC, der andere das Trinity College. Merke: Die Schule konnten wir nicht los werden. Das EPIC ist ein Museum, das die Gründe für die Auswanderung der Iren und die Ausbreitung von deren Normen und Bräuchen in die gesamte Welt erklärt. Anhand von hochmodernen Audioguides, Tablets und Anzeigetafeln – und ja, die haben auch Erklär-Filme gezeigt – merkte man recht schnell, dass einer der Hauptgründe ironischerweise die Armut des historischen Irlands war.

Am Trinity-College erhielten wir, begleitet von einer Studentin, Informationen zum Lernen und Leben an der Universität. Die Studentin selbst werde ihr Studium wenige Tage nach unserer Abfahrt abschließen, sehne sich allerdings nicht wirklich danach. Nicht, weil die Zeit dort so schön gewesen sei, sondern weil die Abschiedszeremonie mit einer dreistündigen Einlage auf Latein – und keiner kann dort Latein sprechen, nicht einmal verstehen – beginnt, woraufhin die Studentinnen und Studenten ihre Abschlusszeugnisse nach ihren Endnoten geordnet erhalten…

Nach EPIC und Trinity College gingen die Wahlprogramme los. Entweder man traf sich beim Guinness Storehouse, einem Museum, das einer Biermarke gewidmet ist, die allen ein Begriff sein sollte. Oder man besuchte das charmante Leprechaun-Museum, welches den Besuchern die mystische Geschichte rund um Kobolde und Feen erzählen. Eines ist gewiss: Das oft regnerische Wetter zeichnete die populären Erzähler der britischen Inseln und deprimierte sie im Voranschreiten der Jahreszeiten. Dies war die Geburtsstunde der winzigen Schuhmacher, die vom Zeitpunkt ihrer Erfindung an ein wenig Freude in das trist gewordene Leben brachten. Die dritte Wahlmöglichkeit war ein Cliff Walk in Howth, südlich von Dublin. Zwar war es durchaus windig und bewölkt gewesen, man habe, so Teilnehmer dieser Wanderung, allerdings auch Delfine sehen können. Danach genossen alle Dublin plump in der Innenstadt oder im Hostel, bis wir – endlich vereint – einen Literary Pub Crawl besuchten. Hierbei unterhielten uns drei verschiedene Herren sowohl musikalisch als auch schauspielerisch, während wir durch Dublin zogen und einige Pubs besuchen konnten. Dazu erzählte uns einer von ihnen einige Anekdoten über die Geschichte Irlands und über wichtige irische Schriftsteller und stellte uns zwischendurch Fragen, die wir am Ende beantworten sollten, um möglicherweise ein Shirt zu gewinnen. Während manche also beinah einnickten, rissen sich andere geradezu euphorisch um den wertlosen Stofffetzen.

Es wurde die letzte, kurze Nacht in Irland eingeleitet, die allein durch den letzten, kurzen Tag in Irland unterbrochen wurde. Diejenigen, die zuvor das Trinity College besucht hatten, gingen nun ins EPIC und anders herum. Nach einer kurzen Verschnaufpause manövrierten uns Busse aus der Innenstadt zum Flughafen, wo wir – mit gebrochenen Herzen – unsere Koffer wieder aufgeben mussten, um sie später schleunigst wieder vom Laufband herunter zu nehmen.

Es war eine Reise, die sich in allen Facetten lohnte und wohl kaum jemandem auf die Nerven ging. Auch wenn Dublin, meiner Meinung nach, als Groß- und Hauptstadt ein wenig enttäuschte, war die Natur und Landschaft ein seltener, aber wunderschöner Anblick.

Und somit, meine Damen und Herren, endete die allerletzte Reise unserer Gruppe Freitagnacht in der Spessartstraße, also nicht weit entfernt von der Schule… Aber, ich meine, immerhin hatten wir danach noch eine ganze Woche Ferien.

Joshua Gargano


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