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Kooperation mit der Uni Heidelberg im Fach Englisch

Eigentlich begann alles mit einem Trailer...

Kooperationsprojekt Feudenheim Gymnasium – Universität Heidelberg im Rahmen des Fachtags Englisch 11. 12. 2018

Silas, ein dunkelhäutiger Junge, zieht in den vermeintlich rassistischen Süden der Vereinigten Staaten und landet schlussendlich in einer einfachen Hütte ohne Stromanschluss, er landet in elendiger Armut. Zwar freundet er sich nur kurze Zeit später mit Larry, einem gewöhnlichen, weißen Jungen, an, doch, umherkursierenden Gerüchten zufolge, habe Letzterer ein Mädchen gedated und dann vergewaltigt: Ihr Kontakt, der sich ursprünglich so spielerisch aufbaute, wird abrupt beendet und beide gehen folglich ihre ganz eigenen Wege.

In der Gegenwart ist Larry ein Außenseiter, ein Mechaniker ohne nennenswerten Besuch, und Silas ein Polizist, der zurück in den Ort seiner Kindheit gelangt: Ein weiteres Mädchen ist verschwunden. Schnell richtet sich alle Aufmerksamkeit auf Larry und nur Silas könne ihn – mithilfe einer Auflösung des Falls – helfen oder richten.

Crooked Letter, Crooked Letter ist ein rätselhaftes Buch. Auch wenn es hier und da als Kriminalroman beschrieben wird, ist es in Wahrheit weitaus mehr als nur das. Es handelt von Freundschaft. Vom Menschsein. Von sozialen Problemen. Von den Südstaaten der USA. Es ist typisch regional und ebenso neomodern. Nur intensive Gruppenarbeiten, eine genaue Betrachtung des Buches aus völlig verschiedenen Blickwinkeln oder vielleicht sogar eine darstellerische Inszenierung könnten jegliche Fragen klären. Also warum das Ganze nicht einfach umsetzen?

Präsentationen sind willkommene Möglichkeiten, um genau diese Aspekte pädagogisch sinnvoll zufriedenzustellen und stellen gleichzeitig Chancen dar, an einigen Stellen die mündliche Note ein wenig aufzupolieren. Es ist also kaum der Rede wert, dass sich relativ früh eine Gruppe von Schülerinnen und Schüler zusammengefunden hat, die ein solches Projekt im Fach Englisch realisieren wollten. Umso stärker zu betonen gilt es, dass es sich diese Gruppe zum Ziel gesetzt hatte, einen Trailer zum Buch Crooked Letter, Crooked Letter zu gestalten. Es würde immerhin den Leseanreiz für die unbeteiligten Schüler entfachen und könnte erste Interpretationen, aber auch dementsprechende Kritik in wiederkehrenden Diskussionen zulassen. Gewiss würden Drehbuch, Rollenverteilung, Schauspielerei, also sowohl Mimik als auch Gestik, Soundproduktion und Kamerafahrten einen enormen Arbeitsaufwand darstellen, es wäre allerdings weitaus schwieriger, sich – gemeinsam mit Herrn Rademacher, Lehrer für das Fach Englisch auf dem Feudenheim-Gymnasium - auf eine gerechte Benotung zu einigen.

Jener schlug folglich vor, man könne sowohl das Endresultat als auch die individuelle Leistung zur Gesamtbewertung hinzuziehen. Es werde schließlich nicht nur auf die szenische Umsetzung und allgemeine Ausdruckskraft des Trailers geschaut, sondern auch das eigene sprachliche Können, somit also Aspekte wie etwa die Aussprache, und die passende Darstellung der fiktiven Charaktere des Buches beachtet. Um den letzten Punkt genauer analysieren zu können, mussten wir – denn auch ich war Teil eben jener Gruppe – eine schriftliche Ausarbeitung, eine zwei Seiten lange Charakterisierung, abgeben, die die jeweils verkörperte Figur zusammenfassen und unter anderem mit Referenzen zum Trailer verständlich machen sollte.

Kurz nachdem wir uns einig geworden waren und dementsprechend mit den Schreib- und Dreharbeiten anfangen konnten, erklärte uns Herr Rademacher, in welchem Rahmen das Projekt stattfinden würde: Bereits seit einem Jahr habe er sich mit einer möglichen Kooperation zwischen dem Feudenheim-Gymnasium und der Universität Heidelberg befasst und ist zu dem Entschluss gekommen, dass unser Trailer zumindest als Startschuss und Einstiegsmaterial für die Realisierung des Gedankens gelten würde. Eine derartige Zusammenarbeit könne nicht nur dafür sorgen, dass wir Schüler allmählich mit den Ansprüchen einer Universität warm werden, sondern zeige zusätzlich, inwiefern das eigene Sprachverständnis dem erwarteten Standard gerecht werde. Denn sicherlich ist die Laufbahn entlang einer Universität oder Hochschule eine durchaus populäre unter uns Schülern. Unser Trailer würde also etwas einleiten, dass es bis dorthin – zumindest im Fach Englisch – nicht gegeben hatte.

Um dies in einen angemessenen zeitlichen Rahmen einpflegen zu können, sollte das Bewegbild noch vor den Sommerferien 2018, also noch vor Ende der ersten Kursstufe, abgeliefert werden, sodass die restlichen Schüler der Klasse, die sich an diesem Projekt nicht beteiligen wollten, genügend Zeit zum Lesen, Nachdenken und Philosophieren erhalten würden.

Eine enge Absprache mit Herrn Dr. P. Löffler, der seinerseits im Rahmen eines Hauptseminars der Universität Heidelberg in den Kriminalroman von Autor Tom Franklin eingeführt hatte, sorgte dafür, dass das erste Treffen, welches in einem Klassenzimmer des FGM abgehalten wurde, problemlos stattfinden konnte. Sicherlich war es an einigen Stellen ungewöhnlich, doch dies ist zumeist auf die schüchterne Zurückhaltung der Schüler zurückzuführen. Ebenso sollte man bedenken, dass nicht unbedingt häufig das Phänomen auftritt, dass sich Studenten und Schüler in einem Raum treffen, um über ein Buch zu reden.

Doch das heißt nicht, dass ein derartiges Treffen etwas Schlechtes ist. Man kann seine Leseerfahrungen und Gedanken miteinander teilen und kann zugleich verstehen, wie verschieden – oder aber auch wie ähnlich – beide „Schulen“ an ein solches Werk herangehen. In unserem Fall zeigte sich, dass die Universität – den Erwartungen entsprechend – tendenziell analytischer und vor allem buchübergreifend Crooked Letter, Crooked Letter betrachtete, während die Schüler wohl eher „mit mehr Herz und Gefühl“ - so ein Student im Nachhinein – lasen.

Wichtig, scheint es mir zu sagen, ist, dass keine der beiden Seiten dominierte: Alle Argumente, alle Stimmen – egal, ob Schüler oder Student - waren wichtig, keine Aussage war unbedingt mehr oder weniger wert, was mich tatsächlich ein wenig positiv überraschte. Beide Parteien schätzten schnell das Projekt wert, weshalb es plötzlich nicht mehr ausschließlich um das Kennenlernen des Buches, sondern auch um das Kennenlernen der beiden „Schulen“ ging. Und dies wurde durch den folgenden, gemeinsamen Ausarbeitungen an der Universität Heidelberg bestätigt: Trotz einer Stunde Fahrt und einem kleinen Spaziergang, der am Anglistischen Seminar endete, ließen sich weiterhin Gesprächsthemen und Diskussionen behandeln. Zwar galt es inhaltlich immer Crooked Letter, Crooked Letter in den Vordergrund zu schieben, doch eigentlich war das ständige Diskutieren und Kommunizieren, das Austauschen von Meinungen und Auffassungen auf Englisch, das tatsächlich Schöne am Projekt. Zwar galt es die Frage, was denn das Buch nun wirklich sei und wovon es wirklich handle, mithilfe von Gruppenarbeiten zu beantworten, allerdings konnte man aufgrund des intensiven Dialoges für alle vermeintlichen Seiten Pro- und Contra-Argumente finden. Zu einem eindeutigen Entschluss sind wir also nicht unbedingt gekommen, aber war das – im Hinblick auf die runde Zusammenarbeit – überhaupt vonnöten?

Diese Eindrücke wurden mithilfe von weiteren Zusammenkünften in Heidelberg immer wieder verdeutlicht, bis eine ganz bestimmte „Vorlesung“ das langsame Ausklingen des Projektes einleitete: In der Alten Aula der Heidelberger Uni las Tom Franklin persönlich zwei – für ihn sehr bedeutungsvolle – Kapitel seines Buches vor und beantwortete im Nachhinein Fragen, die nicht nur den Inhalt des Buches verdeutlichen, sondern auch den jeweiligen Zusammenhang mit dem Leben des amerikanischen Autors erklären sollten: Etwas, das die Englischlehrer vermeintlich ungern hören wollten. In Anbetracht dessen, dass die Schilderungen in seinem Buch so realitätsgetreu beschrieben sind, lässt Crooked Letter, Crooked Letter nicht nur vertraut, sondern auch umso düsterer wirken: Beleidigungen, sowie rassistische und sexistische Äußerungen kennzeichnen einen signifikanten Abschnitt des Buches, die laut Franklin leider allzu heimisch im Süden der USA sind...

Mit dem Fazit, das wir auch aus dem letzten Treffen im Januar diesen Jahres ziehen konnten, kann man an dieser Stelle auch das Projekt zusammenfassen: Der ursprüngliche Grundgedanke, dass sowohl Schülerinnen und Schüler als auch Studierende von einer etwaigen Kooperation profitieren können, konnten Herr Rademacher und Dr. Löffler durchaus realisieren. Wir hatten nicht nur Zeit, das eigene Sprachverständnis aufzufrischen und gar mit Ausdrücken aus der Universität zu bereichern, sondern alle Beteiligten konnten sich auf die jeweils andere Seite einlassen.

Das heißt, die Schüler konnten sich mit der analytischeren und vermeintlich herausfordernden Herangehensweise der Universität vertraut machen, während die Studenten, die mehrheitlich Lehrer werden wollen, mit der entsprechenden Altersgruppe arbeiten konnten. Dadurch wurde ihnen zumindest ein kleiner Teil an Praxiserfahrungen mitgegeben: Dass Studenten nämlich zu wenig oder zu spät mit Schulklassen arbeiten können, war ein Kritikpunkt ihrerseits am Ausbildungssystem, weshalb ich denke, dass derartige Kooperationen ein kleiner Schritt in die richtige Richtung wären.

Joshua Gargano, 12d


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