Feudenheim Gymnasium Mannheim

Studienfahrt nach China und Schulaustausch (2010)

Willkommensgruß in Shanghai
Die erste Woche unserer Austauschfahrt verbrachten wir in der Weltmetropole Shanghai. Nachdem sich die ersten Eindrücke der fast zwanzig Millionen Menschen schweren Stadt gesetzt hatten, fiel es den meisten Teilnehmern unserer Studiengruppe nicht mehr so schwer, die Augen auf die beeindruckende Architektur Shanghais zu wenden.


WFC

Kaum einer hat den prägnanten Fernsehturm, "Pearltower" genannt, nicht von Nahem gesehen und viele bewunderten Shanghai, sowie es der Smog zuließ, vom "Flaschenöffner" aus, dem World Financial Center.


China 2010 (03)Gegenüber diesen Bauten, auf der anderen Seite Shanghais, getrennt durch den Fluss Huang Pu, erstreckt sich der so genannte "Bund". Hier überrascht die hauptsächlich europäische Bauweise der großen, dem Fluss zugewandten Gebäude. Die Wurzeln hierfür liegen in der kolonialen Vergangenheit Shanghais, welche uns ungeachtet unseres eigentlich zugeteilen Personals im Shanghaier Stadtarchiv ausschließlich Herr Bichler in seiner dezent penetranten Art näher brachte.


China 2010 (04)Die Gastfamilien, bei denen wir während unseres Aufenthaltes in Shanghai untergebracht waren, nahmen uns allesamt gut und herzlich auf. Hier war den meisten auch ein langsames aber sicheres Angewöhnungsprogramm für chinesische Essgewohnheiten vergönnt, dass sie für die nachfolgende Woche ohne deren Wissen vorbereitete. Die meisten freundeten sich schnell mit den Familien an, manche gingen auf Hochhäusern Fußball spielen, andere trafen sich mit befreundeten Familien zu Kneipentouren.
Mit unseren Gastbrüdern und -Schwestern besuchten wir die Shanghai World Foreign Language Middle School, in der wir Zeuge eher autoritärer Erziehungsmethoden, aber auch ungestümer Gastfreundlichkeit wurden.
Der Besuch auf der Shanghaier Expo war für alle ein besonderer Tag, unter anderem auch, weil wir wieder auf Fremde trafen, die tatsächlich Deutsch sprachen und weil wir alle fünfzehn Minuten für ein Gruppenfoto mit fremden Chinesen posieren durften (ich wüsste gerne, in wie vielen Zimmern wir jetzt eingerahmt hängen).
Am letzten Tag veranstaltete die Schule eine Farewell Party, Programm waren verschiedenste Vorführungen sportlicher und künstlerischer Art beider Parteien.


China 2010 (05)Für das, was wir in der zweiten Woche der Studienfahrt erlebten, fällt mir nach langer Überlegung nur ein Begriff ein. Für mich persönlich, ich denke für die meisten, war die Zeit in Shandong ein emotionales Grenzerlebnis, auch wenn es manchen erst im Nachhinein klar wurde.
Vom Lärm und Tosen der Millionenstadt, von Hektik, vollgestopften Schulbussen, greller Straßenreklame und gepferchten Hochhausblocks reisten wir in nur wenigen Stunden in ein Gebiet Chinas, in dem sich der Lebensstandard eines großen Teils der Menschen erst in den letzten Jahrzehnten von Elend zu Armut gebessert hat.
In unserer Unterbringung am Fuße des berühmten Meng Shan wurden wir von einer Delegation verschiedenster Abgesandter, teilweise auch der Kommunistischen Partei Chinas, als deutsche Delegation empfangen. Möglich wurde dies alles erst durch Herrn Bichlers Bekanntschaft mit einer gewissen Ilva Monschein, welche mit ihrem Mann vor etwa zwanzig Jahren ein Deutsch-Chinesisches Entwicklungshilfeprogramm der GTZ (Gesellschaft für technische Zusammenarbeit) in der Provinz durchführte.
Mit entsprechendem Status wurden wir auch behandelt. Keine Fahrt, bei der uns vor und hinter unserem Bus nicht mindestens zwei schwarze Limousinen der Regierung und ein Polizeiwagen eskortierten. Nach langer Diskussion ließen sich die Beamten überreden, die Polizeisirene ruhen zu lassen und dafür nur die Warnblinklichter zu aktivieren. Während unserer Besuche in den Dörfern und den von deutschen Ingenieuren gebauten Anlagen zur Trinkwasserförderung wurden wir als Inspekteure der Einrichtungen gesehen; mindestens ein Kamerateam begleitete uns immer auf unseren Besichtigungen.


China 2010 (06)Bei den Aufenthalten auf dem Land sammelten wir so viele Eindrücke und machten so viele Erfahrungen, dass es mir schwer fällt, einzelne hervorzuheben und hier zu schildern. Manche erinnern sich besonders an den Tag, an dem wir von der Geschichte eines kleinen Jungen erfuhren, dessen Mutter aus einem anderen Dorf weit weg hierher verschleppt worden war, ohne Kenntnisse der Sprache und Gebräuche der ansässigen Chinesen. Im Dorf habe es Frauenmangel gegeben, berichtet ein Mann, daher die Maßnahmen.
Andere erinnern sich an die herzlichen Empfänge und an die Berge von Früchten und Nüssen, die wir bei jedem Aufenthalt geschenkt bekamen und wie erwachsene Menschen mit zitternden Händen dastanden und uns Informationsblätter überreichten.
Wieder anderen ist die Szene in Erinnerung geblieben, als wir auf dem Marktplatz eines größeren Dorfes von einem Pulk Menschen verfolgt wurden, die in ihrem Leben wohl noch nie einem Europäer begegnet waren und es in Zukunft auch nie wieder werden.
Größere Highlights erlebten wir auch im Hotel, in dem wir während der Zeit in Shandong residierten. Sei es der - freundlich ausgedrückt - trunkene Kalligraph, einer der besten Chinas, der eines Abends in das Hotel einkehrte und uns eine spontane Privatvorführung seiner Künste gewährte, sei es das allabendliche Zusammensein mit der chinesischen Delegation, deren Mitglieder wahrscheinlich genauso viel Spaß an unserem Aufenthalt hatten wie wir, sei es bei der Erklimmung des Meng Shan - und der darauf folgenden Abfahrt mit dem Bus. Es würde den Rahmen dieses Artikels sprengen, jede Erfahrung der Studienfahrt zu schildern.


China 2010 (07)Nach einer knappen Woche auf dem Land sah es der Plan vor, wieder in die Großstadt zu reisen: Qingdao, ehemals deutsche Kolonialstadt und Ort der Segelwettbewerbe der Olympischen Spiele 2008, doppelt so groß wie Berlin, bekannt für das beste Bier Chinas – nach deutschem Reinheitsgebot gebraut, versteht sich.
Wieder ein Kontrast, wieder eine Fülle von neuen Eindrücken. Wir lernten schon am ersten Abend unsere Reiseführerin, Ursula Ullmann kennen. Und auch ihr Temperament.
Wer sie nicht erlebt hat, kann sich nicht vorstellen, wie sie war. Es lassen sich lediglich Situationen erzählen, mit der die Hamburgerin sich trefflich personifizieren lassen kann, etwa als sie einem Taxifahrer die Zigarette aus dem Mund schlug ("Das ist schlecht für die Gesundheit!"), uns über angeblichen Smog in Qingdao aufklärte ("Smog!? Das ist Seeluft ihr Süddeutschen!!") oder sich als die selbsterklärte Königin von Qingdao vorstellte, vorrangig um günstigeren Eintritt zu erlangen. Seit Jahren setzt sich "Ulla" in Qingdao für die Erhaltung deutschen Kulturerbes ein und hat, das muss man ihr lassen, auch einiges erreicht. Ihr erklärtes Ziel ist es, Qingdao zum Weltkulturerbe zu machen. Wer Ulla kennt, zweifelt keinen Augenblick an ihrer Ernsthaftigkeit.
Die Zeit in China war denke ich für viele eine einmalige und einprägsame Erfahrung. Dass die Reise in dieser Form möglich war, haben wir den beiden Personen zu verdanken, die sehr viel Zeit und Energie in diese Studienfahrt steckten: Herrn Elvers und Herrn Bichler. Ich, und ich denke da spreche ich für alle Teilnehmer der Studienfahrt, hätte mir keine besseren Reisebegleiter vorstellen können.

Manche haben vor, nach dem Abitur ein Jahr in China zu verbringen. Für andere bleibt die vergangene Zeit vielleicht die einzige, die sie je dort verbracht hatten.
Uns alle jedenfalls, die wir diese zwei Wochen mit Herrn Elvers und Herrn Bichler in Shanghai, Shandong und Qingdao verbringen durften, hat diese Studienfahrt berührt und uns allen bleibt sie sicher noch lange in Erinnerung.

Achim Grenner



Sie befinden sich hier: