Feudenheim Gymnasium Mannheim

Feudenheim: Gymnasiasten blicken in die Seele der Malerin und Bildhauerin Louise Bourgeois

Beklemmende Paarbeziehungen

Bericht im Mannheimer Morgen von Christina Altmann (12.8.2011)

Sie gilt als eine der wichtigsten Künstlerinnen der Gegenwart und steht daher im Kunstunterricht der höheren Schulen ganz oben: die französisch-amerikanische Malerin und Bildhauerin Louise Bourgeois wird seit Jahren auch im Neigungskurs Bildende Kunst am Feudenheim-Gymnasium thematisiert. Beeinflusst vom Leben und Werk dieser bemerkenswerten Frau entstanden Acrylbilder und Installationen zum Thema "Paarbeziehungen", die von den Schülern und ihrem engagierten Kunstpädagogen Karl-Heinz Treiber im Rahmen einer kleinen Ausstellung im Kulturtreff vorgestellt wurden.

Zurzeit reist eine Skulptur durch die Schweiz in Erinnerung an diese "Grande Dame der Gegenwartskunst", die im Mai 2010 starb und im kommenden Dezember 100 Jahre alt geworden wäre. Es ist die überdimensionale bronzene Spinne - eine Leitfigur der Louise Bourgeois, mit der sie das behutsame Umhüllen und Beschützen einer (ihrer) Mutter charakterisiert. Über 60 Jahre lang hat die Künstlerin ein gewaltiges Gesamtwerk aus Bildern, figürlichen Plastiken und raumumfassenden Installationen geschaffen, deren schöpferischer Impuls einzig in ihrer Kindheit zu suchen ist.

Nach dem Tod ihres Mannes, dem Kunsthistoriker Robert Goldwater, und dem Fortgang ihrer drei Söhne lebte sie zurückgezogen in New York und verarbeitete mit unstillbarem Drang ihre problematische Vergangenheit. Und diese war geprägt von einem chauvinistischen Vater, einer spannungsgeladenen Beziehung zu Männern, zur Familie, zur sie umgebenden Gesellschaft schlechthin. Was die Schülerinnen und Schüler in ihren hier ausgestellten Arbeiten nachempfanden, ist dementsprechend beklemmend. Paarbeziehungen offenbaren sich als Machtkampf der Geschlechter, Mann und Frau finden selbst in intimsten Situationen kein vertrautes Zueinander, sind getrennt durch Barrieren. Liebe zum anderen Geschlecht scheint äußerlich, lässt allein die Erotik herrschen.

Selbst die Liebe zwischen Mutter und Kind, wie es zwei Arbeiten zeigten, ist geprägt von Unverständnis. Das Neugeborene bleibt ein Rätsel, die heranwachsenden Kinder saugen die Mutter aus, zehren an ihrem Körper. Das Gewaltsame und Beklemmende, das Louise Bourgeois in ihren Skulpturen ausdrückt, findet sich auch in ihren "Cells" wieder.

Diese Auffassung von Wohnräumen, die das Gefangensein im familiären Umfeld widerspiegeln soll, wurde von den Schülern auf erschreckend brutale Weise umgesetzt: Das traute Heim bietet alles andere als Zuflucht und Geborgenheit. Vater, Mutter, Kinder leben isoliert voneinander in ihren zellenartigen fensterlosen Zimmern, flüchten sich vor den inneren und äußeren Bedrohungen in visuelle Welten, in den Alkohol oder gar in den Selbstmord.

Neben dieses Szenario des Schreckens und der Hoffnungslosigkeit setzte Ricarda Günther eine Performance, die in einem verzweifelten Tanz um das nackte Überleben auf einer unfruchtbar gewordenen Erde gipfelte. Die Besucher, unter denen sich neben Schülern, Eltern und Lehrern auch der Leiter des Gymnasiums Dr. Rainer Halfar und sein Vorgänger Bernd Haber befanden, zeigten sich beeindruckt.


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