Theater-AG des Feudenheim-Gymnasiums zeigt Dürrenmatts "Besuch der alten Dame"
"Eine Milliarde für die Gerechtigkeit"
Bericht im Mannheimer Morgen von Astrid Mader (22. Oktober 2010)
Die "Gegenwart: Steinbruch, aus dem ich die Blöcke zu meinen Komödien haue." So charakterisierte Friedrich Dürrenmatt in einer Randnotiz zu seinem Theaterstück "Der Besuch der alten Dame" die Zeit, in der er lebte. Aber auch jetzt und hier wird seine tragische Komödie inszeniert: im Nationaltheater Mannheim, im Theater im Pfalzbau in Ludwigshafen, auf zahlreichen Kleinbühnen der Region und schließlich auch von der Theater-AG des Feudenheim Gymnasiums im Kunstpavillon der Schule.
Der Dramatik des Stückes kann sich kaum ein Zuschauer entziehen. Ein junges Mädchen bekommt ein Kind von dem Mann, den sie liebt und der auch sie zu lieben vorgibt, doch im entscheidenden Augenblick nicht zu ihr steht. Vor Gericht schwört er einen Meineid und lässt diesen durch zwei Freunde bestätigen, die wissen, dass es sich um eine Lüge handelt. Eigentlich ein Ereignis, das so jeden Tag geschieht. Handfeste Interessen stehen dagegen oder einfach nur die Verlogenheit einer Gesellschaft, die auch heute oft genug noch mit Steinen nach den jungen Frauen wirft, denen so etwas geschieht.
Das Besondere in diesem Fall: Die Frau, Claire Zachanassian, hier mit eiskalter Ruhe gespielt von Hannah Voß aus der Klasse 10 a, wurde mit Schimpf und Schande als "Hure" aus der Stadt getrieben, war zur Prostitution gezwungen, hat es aber durch Heirat ganz nach oben geschafft. Sie besitzt Geld wie Heu und kehrt an ihrem Lebensabend in die Stadt der Ehrlosen zurück, einen Sarg im Handgepäck. Zuvor hat sie die Stadt aufgekauft und an den Rand des wirtschaftlichen Ruins getrieben, um ihr dann "ein unmoralisches Angebot" machen zu können: Eine Milliarde Euro für das Leben des Mannes, der sie durch Lügen demütigte, "eine Milliarde für die Gerechtigkeit", wie sie es nennt.

Dass eben diese durch das Angebot prostituiert wird, versteht sich von selbst. Die Summe ist so exorbitant hoch, dass keiner der "humanistischen Bewohner" des kleinen Städtchens Güllen widerstehen kann. Der Menschenhandel wird vollstreckt, nicht Gerechtigkeit geübt, sondern die Seele verkauft. Dies erkennt vor allem die Lehrerin, exzellent durch Julia Schmeidl verkörpert, die den Idealismus der Lehrerin unpathetisch und dadurch umso eindrucksvoller herauskehrt und in einem Augenblick äußerster Klarheit erkennt: Auch sie wird mitmachen, was sie mit anmutiger Tragik zum Ausdruck bringt.

Der frühere Täter und das jetzige Oper Alfred Ill (Gabriel Barrios Bussmann) überzeugte vor allem stimmlich, was ebenso für Carlo Brauch galt, der den Bürgermeister mimte. Alles in allem eine sehr gelungene Inszenierung unter der Regie von Dolores Trutzel, die mit minimalistischen Mitteln auskam und allein durch das Spiel der Schüler lebte.
