Feudenheim Gymnasium Mannheim

Schillers "Räuber" als zeitgenössisches Bühnenstück: Aus Räuberbande wird moderne WG

"Räuber. Schiller für uns"Bericht im Mannheimer Morgen vom 27.11.2009

Über zehn Jahre, nachdem der letzte Vorhang für eine Theater-AG am Feudenheim-Gymnasium gefallen ist, fanden vor gut einem Jahr erneut theaterbegeisterte Schüler den Weg zurück auf die Bühne. Der Deutschlehrerin Dolores Trutzel war es damals spontan gelungen, gleich zwei Dutzend der Siebt- und Achtklässler fürs Schauspiel zu gewinnen. Jetzt meldete sich die neue Theater-AG mit ihrer ersten Produktion zurück, und schon die erste Aufführung sorgte für eine fast volle Kulturhalle.

Weitab vom Schillerjahr und von der klassischen Vorlage entfernt, ging die Inszenierung "Räuber. Schiller für uns" der Frage, nach "Warum geraten Jugendliche auf die schiefe Bahn und wer trägt dafür die eigentliche Schuld". Marlene Skala projiziert in ihrem Stück das Schiller'sche Drama in die heutige Zeit. Aus Bruderzwist wird Zickenterror unter Schwestern und aus der Räuberbande eine Wohngemeinschaft von Jugendlichen. Sie hausen in einer leeren Lagerhalle, fernab jedweder Zivilisation. Ein Teil von ihnen ist bemüht, seine Ideale und Träume zu verwirklichen, die anderen wollen nur rasch ans schnelle Geld.

Erstere fühlen sich von Staat und Gesellschaft "angeschmiert statt abgeschmiert", letztere wollen "Juwelier statt Hartz IV". Zweifel lassen zaudern, und die Gier drängt zur raschen Tat. Schließlich legt eine angespannte Finanzlage eine kriminelle Energie in allen frei, und es kommt zu Raub, Erpressung und Totschlag. Parallel dazu schwelt im Hause Moor der Vater-Töchter-Konflikt, angeschürt durch einen von Franziska manipulierten Briefwechsel mit Charlotte in der WG.

Ein Happy-End gibt es nicht, und es kommt zur Festnahme fast aller "Räuber". Eine facettenreiche Inszenierung, in der auf ein aufwändiges Bühnenbild verzichtet wurde. Vielmehr wurden Handlung und Bühne durch die starke Präsenz der einzelnen Akteure ausgefüllt. Sie agierten meist vor dunklem Hintergrund, stellten die Stärken und Schwächen des jeweiligen Charakters überaus glaubhaft dar. Ein jeder glitt mit Öffnen des Vorhangs souverän und überzeugend in seine Rolle, und es gelang den jungen Darstellern mühelos, das Publikum in ihren Bann zu ziehen.



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