New York City Revisited - mit Offenheit richtig eintauchen
Von Urte Mein
Auch in diesem Schuljahr lernten 17 unserer Schüler der Jahrgangsstufe 13 New York City im Rahmen ihrer Studienfahrt kennen. Zehn Tage im Zentrum der Metropole ermöglichten es ihnen, sich in Begleitung von Frau Mein und Herrn Treiber einmal den verschiedenen Facetten der Stadt zu nähern. So standen dieses Jahr auch Ziele auf dem Programm, die nicht zu jedem Standardbesuch in dieser Stadt gehören. Natürlich ließen wir es uns nicht nehmen, bei strahlendem Sonnenschein mit dem Boot zu den geschichtsträchtigen Orten Liberty Island und Ellis Island zu fahren, über die Brooklyn Bridge zu laufen und einen atemberaubenden Sonnenuntergang vom Top of the Rockefeller Center anzuschauen. Auch unsere Besuche des Museum of Modern Art und einer Kandinsky Ausstellung im Guggenheim Museum waren ausgesprochen lohnend.
Für die Schülerinnen des vierstündigen Kunstkurses gab es außerdem die einmalige Gelegenheit, ins Hudson Valley zur Dia: Beacon Art Foundation zu fahren, um sich mit einem ihrer Abitur-Schwerpunktthemen auseinanderzusetzen, denn sie konnten dort zahlreiche Werke der Künstlerin Louise Bourgeois studieren.
Eine Führung durch den Hauptsitz der United Nations am East River war für unsere Gruppe äußerst interessant und regte alle Teilnehmer zum Nachdenken über aktuelle Fragestellungen der Gegenwart an.
Wie im vergangenen Jahr haben wir unser Kulturprogramm ergänzt durch die Möglichkeiten, die uns der hotelnahe Central Park bot: Joggen am Morgen vor Programmbeginn, ein gemütliches Picknick an der Turtle Bay oder außergewöhnliches Ice-Skaten bei Sonnenschein.
Abwechslung gab es zwar genug in Manhattan, wo wir uns zwischen Harlem, Times Square, Soho, Chinatown und Pier 17 bewegten. Jedoch bekam diese Reise eine besondere Nuance durch unsere Ausflüge in die Stadtbezirke Queens und die Bronx, die für packende Erlebnisse sorgten.
Wir erlebten Queens als einen aufregenden Ort der Kontraste. Dort trafen wir auf verlassene Häuser und Lagerhallen, die an edle Wohnblocks in Long Island City grenzen. Bei einer Vernissage in dem außergewöhnlichen Museum PS1, dem kleinen, weniger bekannten „Bruder“ des MOMA, hielten wir ein amüsantes Schwätzchen mit Gloria von Thurn und Taxis und ihrer Tochter Elisabeth. Zum fulminanten Abschluss des Tages entdeckten wir eine gut versteckte Bar mit perfektem Blick auf die Manhattan-Skyline. Und was noch besser war: Man öffnete sie nur für uns und bot uns zudem noch bei Nacht einen Service für eine gratis Bootsfahrt zurück nach Manhattan an.
All das erlebt man nicht selbstverständlich auf einer Reise nach New York.
Der Ausflug in die Bronx war ebenfalls äußerst reich an Spannung, da man nie wissen konnte, wie es an der nächsten Ecke, die wir ansteuerten, aussehen würde: Graffitibesprühte Häuser und Garagen, Baseball für Arme und Baseball für Bessergestellte, illegale Geschäfte, puertoricanische Geschäfte, Gespräch mit einem Pastor und einem Junkie, afrikanische Hochzeit, hispanische Messe mit Gospelgesang ... Ein bißchen von allem, aber vor allem ein bißchen anders als das, was unsere Schüler bisher in ihrem Leben gesehen hatten.
Nicht nur der New Yorker Multikulturalismus wurde auf diese Weise Teil des Bildes, das die Schüler sich langsam von der 8-Millionen-Stadt machten. Auch das Vorhandensein der unterschiedlichen sozialen Voraussetzungen ihrer Menschen wurde den Schülern deutlicher denn je vor Augen geführt. Gleichzeitig wurde ihr Bewusstsein für diese Problematik geschärft.
Wer vermutet, dass auf der Studienfahrt nach New York viel „geshoppt“ wurde, der liegt zwar nicht ganz falsch, hat aber nicht verstanden, was diese Schülergruppe tatsächlich gesehen, erlebt, intensiv erfahren und gelernt hat. Erzählen könnten wir noch viel von dieser Fahrt. Doch um eine Vorstellung von dieser faszinierenden Weltstadt zu bekommen, empfehlen wir, einmal selbst mit viel Offenheit und Neugier richtig in sie einzutauchen.
