Wissen und Erfahrung aus erster Hand: 9. schulinterne Berufs- und Studieninformation

Von Helmut Lebert
Ob dieser Rekord jemals gebrochen wird? Rund 25 Schülerinnen und Schüler haben durchschnittlich die neun Veranstaltungen der schulinternen Berufs- und Studieninformation besucht – so viele wie noch nie! Natürlich war Anfang Februar 2009 erstmals auch die 9. Jahrgangsstufe eingeladen, nicht nur die 10. bis 13. wie bisher. Als G-8-Jahrgang werden sie nämlich schon Ende Klasse 10 in die einwöchige Berufserkundung gehen. Da ist es sinnvoll, sie schon jetzt zum Nachdenken über die Berufswahl anzuregen. Jedenfalls konnten sich die Eltern und ehemaligen Schülerinnen und Schüler freuen, dass vor allem durch die 9. Jahrgangsstufe die durchschnittlichen Teilnahmezahlen gegenüber 2007 verdoppelt wurden. Dabei waren dieses Mal 9 Eltern bzw. Ehemalige neu dabei.
Für Berufe mit BWL (Betriebswirtschaftslehre) interessierten sich 30 Zuhörer. Herr Jennrich berichtete aus der Praxis eines Managers und wies auf die unterschiedlichen Einsatzmöglichkeiten in Unternehmen hin, z. B. Einkauf, Vertrieb, Marketing, Buchhaltung, Finanzen/Controlling). Jonas Rumstadt zeigte die Studienmöglichkeiten an Berufsakademie, Fachhochschule oder Universität auf, die man entsprechend den eigenen Neigungen wählen kann. Cornelia Schmidt stellte als eine Berufsmöglichkeit die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers vor, zu der sie bereits als BWL-Studentin Kontakte aufgebaut hat. Kurz erwähnt wurde auch, dass man sich – wenn man nicht studieren will – auch für eine Ausbildung zur Kauffrau bzw. zum Kaufmann entscheiden kann.
Zur Medizin kamen nur 11 Zuhörer, darunter 9 Schülerinnen. So wenige kamen noch nie! Vielleicht ist das eine Auswirkung der negativen Medien-Schlagworte wie „Ärztestreik“, „Burnout“, „überbordende Bürokratie“ oder „Praxissterben“. Bei den Referenten war davon allerdings nichts zu spüren. Trotz starker Arbeitsbelastung findet Herr Dr. Schwöbel seine Arbeit in der Unfallchirurgie des Theresienkrankenhauses sehr befriedigend. Auch wer das Ziel einer eigenen Praxis habe, beginne erst einmal im Krankenhaus. Einige andere Berufsmöglichkeiten stünden einem offen: in der Forschung, in Gesundheitsämtern, in der Gerichtsmedizin, im Journalismus, in Betrieben usw. Stefanie Mendel betonte im Blick auf das Studium die Bereitschaft zum Lernen, die angesichts der großen Stofffülle nötig sei. Angesichts der Schwierigkeit, einen der begehrten Studienplätze zu erhalten, sprach sie viel von den Möglichkeiten, Wartezeiten sinnvoll zu nutzen, z. B. durch eine Ausbildung in der Krankenpflege, Physiotherapie, Krankengymnastik oder als MTA (Medizinisch-Technische Assistentin). Das Bild zeigt Herrn Dr. Schwöbel in Aktion, im Vordergrund Stefanie Mendel.
Neun Schülerinnen und Schüler wollten von Herrn Jaspers etwas über Berufe bei der Polizei hören. Er nannte als wichtige Voraussetzung Teamgeist und Zusammenhalt, da man häufig zusammen arbeite und sich gegenseitig unterstütze. Der zunehmende Anteil von Frauen sei positiv bei Einsätzen und für das Betriebsklima.
Im Blick auf Jura konnte Frau Speckmaier vor 14 Interessierten einiges aus ihrem Alltag als Richterin berichten. Sie stellte aber auch die vielseitigen Möglichkeiten eines Rechtsanwaltes dar, der nicht nur in Kanzleien, sondern auch bei Unternehmen, Gewerkschaften, staatlichen Behörden, Kirchen usw. arbeiten könne. Sascha Feigenbaum schilderte die Anforderungen eines Jura-Studiums. Er machte deutlich, dass die Orientierungsklausuren in den ersten Semestern zeigten, ob dieses Studium das Richtige für einen sei.

Mit 28 Teilnehmenden war die Vorstellung der Berufe für das Lehramt sehr gut besucht. Herr Erdmann berichtete aus dem Blickwinkel eines Lehrers aus einer beruflichen Schule. Weil er gern mit jungen Menschen arbeitete, habe er seinerzeit den Wechsel von der Industrie in die Schule vollzogen. Ohne diese pädagogische Neigung könne man nicht in der Schule arbeiten. Verena Höll stellte das Studium an der Pädagogischen Hochschule für Grund- und Hauptschule vor. Obwohl ihr Schwerpunkt die Grundschule sei, könnte es sein, dass sie später einmal aufgrund der Bedarfslage in die Hauptschule muss. Nachdem sie aber während eines Praktikums in der Hauptschule gar nicht so schlechte Erfahrungen gemacht hat, wäre das kein Problem.
Zum Thema Ingenieurberuf fanden sich 32 Schülerinnen und Schüler ein, im Gegensatz zu 2007 kaum Schülerinnen. Herr Schroers lobte die Zugangswege Berufsakademie und Fachhochschule, weil man dort aufgrund des größeren Praxisbezugs gut für die Planung und Entwicklung von Projekten gerüstet sei. Wer aber in die Forschung und Entwicklung bei einem großen Unternehmen gehen möchte, für den sei die Technische Universität der bessere Weg, auch sei in diesem Fall eine Promotion zu erwägen. Alexander Elter stellte das Studium an der TU Darmstadt vor, besonders natürlich seine Fachrichtung „Allgemeiner Maschinenbau“.
Beim Berufsfeld Psychologie war es angezeigt, in unser größtes Klassenzimmer zu gehen, damit die 41 Teilnehmenden alle einen Platz bekamen. Frau Grützner-Scheurer konnte auf eine ganze Palette von Berufsmöglichkeiten verweisen: in einer eigenen Praxis, in Beratungsstellen von Kommunen, Kirchen oder der AWO, in Schulbehörden, in der Pharmazie usw. Allerdings bräuchte man für diese Tätigkeitsfelder Fortbildungen in unterschiedlichen Therapieformen. Julia Weick berichtete vom Bachelor- und Masterstudium und davon, dass es neben den beliebten Unis Heidelberg und Mannheim noch andere gebe, bei denen man eher angenommen wird. Auf dem Bild ist Frau Grützner-Scheurer während ihrer Ausführungen zu sehen.

Zur Informatik waren 19 Interessenten gekommen. Aufgrund der Referenten stand die Wirtschaftsinformatik sowie die SAP im Vordergrund. Herr Uhlig sprach unterschiedliche Einsatzmöglichkeiten an: Software-Entwicklung, Qualitätskontrolle oder Kundenbetreuung (Vertrieb), die man nach der eigenen Neigung wählen kann. Andreas Schmidt stellte die Vorteile eines Studiums an der Berufsakademie vor, die neuerdings in „Duale Hochschule“ (dual: Ausbildung im Betrieb und Studium im Wechsel) umbenannt wurde. Natürlich gäbe es auch gute Gründe, zum Studieren an eine Fachhochschule oder Universität zu gehen.
Den Abschluss der Veranstaltungsreihe bildete ein Vortrag: „Abitur – und dann? Der Weg zu einer fundierten Berufswahl“. Er fiel insofern aus dem üblichen Rahmen, weil hier auch Eltern eingeladen waren und weil der Referent nicht den üblichen Bezug zu unserer Schule hat. Es war dennoch sinnvoll, das Angebot dieses allgemeinen Vortrags von Herrn Dr. Gosslar, Diplom-Psychologe aus Mannheim, anzunehmen (siehe Bild).
Die anwesenden Schülerinnen und Schüler (35) und Eltern (10) wurden in einem anspruchsvollen Referat u. a. auf folgende vier entscheidende berufsorientierende Fragen hingewiesen:
1. Was kann ich, d. h. was sind meine Stärken und Schwächen?
2. Was interessiert mich, d. h. was mache ich gern, in welchem Bereich arbeite ich gern?
3. Was will ich, d. h. welche allgemeinen Wünsche und Erwartungen habe ich an meinen künftigen Beruf, z. B. lieber am Schreibtisch arbeiten oder unterwegs sein?
4. Welche Ausbildungs- und Studienmöglichkeiten gibt es im Blick auf den gewünschten Beruf?
Herr Dr. Gosslar brachte auch seine Erfahrungen in Testverfahren zur Eignungs- und Persönlichkeitsdiagnostik ein. Gerade für schwierige Fälle sei es durchaus sinnvoll, auch aufwändige und kostspielige Testverfahren (in seiner Praxis wären das 850 €) in Anspruch zu nehmen, denn was kosteten 4 Semester im falschen Studium? Immerhin: Aus jedem Menschen könne man etwas machen! Man müsse ihm nur helfen, seine Begabungen/Talente zu erkennen. Das Schlimmste, was man einem Menschen antun könne, sei die fehlende Rückmeldung über dessen Leistungen. Dabei sollten Eltern und junge Menschen zwischen Wunschbild und Wirklichkeit zu unterscheiden lernen. Eine ehrliche Erkenntnis der eigenen Fähigkeiten stehe an erster Stelle.
