Feudenheim: Gymnasium begeistert mit Plautus' Geisterkomödie
2000 Jahre alte Komödie lebhaft gespielt
Bericht im Mannheimer Morgen von Sylvia Osthues (31. August 2011)
Türen knarren im Pavillon des Feudenheim-Gymnasiums und aus den Ecken ertönen gespenstische Stimmen. "Was Sie gleich sehen werden, haben Schüler des Lateinkurses der Kursstufe 1 in den letzten zwei Monaten im Unterricht einstudiert", kündigte Spielleiter Johannes Eichhorn Plautus' Geisterkomödie "Mostellaria" an. Obwohl ohne Theatererfahrung, seien die Schüler sofort bereit gewesen, die römische Komödie einzustudieren und aufzuführen. Dadurch sei nicht nur ihr Selbstbewusstsein gewachsen, sondern auch manches Talent entdeckt worden, so Eichhorn.
Statt lateinische Texte zu übersetzen, lernten die Schüler deutsche Texte, was für manche durchaus eine größere Herausforderung war, so der Spielleiter. Nach zweimonatiger Achterbahnfahrt, während der Motivation und Textkenntnisse starken Schwankungen unterworfen waren, präsentierten sie ihre Komödie dann gleich dreimal vor Publikum. Die Zuschauer amüsierten sich prächtig und lernten dabei, dass Schultheater erfrischend frech und dass eine über 2000 Jahre alte Komödie hochmodern sein kann - Immobilien-Scheingeschäfte inbegriffen.
So kleideten die meisten Akteure sich folgerichtig modern, und die zeitlose Handlung nahm ihren turbulenten Lauf: Die jahrelange Abwesenheit seines wohlhabenden Vaters Theopropides (Sebastian Reuter) nutzt Sohn Philolaches (Thierry Mehrle), um das Erbe mit allerlei Genüssen einschließlich teuer erkaufter Freundin (Michelle Sommer) durchzubringen. Als der Vater überraschend heimkehrt, ist der ganze Einfallsreichtum des schlitzohrigen Sklaven Tranio (Nadine Riesenacker) gefragt. Das heruntergekommene Vaterhaus sei vom Spuk besessen, behauptet Tranio. Stattdessen präsentiert er das wohlpolierte Haus von Nachbar Simo (Lea Neureuther) als vermeintlichen Neuerwerb.
Klar, dass diese haarsträubende Geschichte schnell auffliegt, doch nach viel gutem Zureden, etlichen Schmeicheleien und weiteren Notlügen findet das Stück ein glückliches Ende. Mit viel Applaus honorierte das Publikum die Leistung des Schauspielteams: angefangen beim minimalistischen, aber treffenden Bühnenbild mit säulengerahmten Türen und römischem Portikus (verantwortlich Nadine Riesenacker/Michelle Sommer) bis hin zum Spiel der Darsteller (in weiteren Rollen Sylvia Kettner und Julia Hexameter), deren mitreißende Spielfreude wesentlich zum Gelingen des kurzweiligen Abends beitrug.
Mit ihrem Theaterstück nehmen die Feudenheimer Schüler teil am Schultheater-Wettbewerb um den Gerhard-Storz-Preis, der alle zwei Jahre von der Stiftung "Humanismus heute" des Landes Baden-Württemberg verliehen wird. Man darf gespannt sein.

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