Müde Hände und rauchende Köpfe
Bericht von Julie Dutkowski im Mannheimer Morgen vom 4.04.2008
"So, jetzt brauch ich erstmal ´ne Zigarette", Natascha Meliset ist erschöpft. Schließlich hat sie gerade fünfeinhalb Stunden Deutsch-Abi im Feudenheim-Gymnasium hinter sich. Die Sternchenthemen waren dieses Jahr auch nicht gerade leicht. Von Schillers "Räuber" über Kafkas "Prozess" zu Kleists "Michael Kohlhaas", verbindet alle drei Werke das Thema Recht. Natascha hat sich für den Vergleich zwischen den Hauptfiguren Karl Moor aus "Die Räuber" und Josef K. aus dem "Prozess" entschieden. "Es war machbar, denn es kam eigentlich dran, was wir erwartet haben," urteilt die Abiturientin nüchtern. "Wir konnten auswählen und es war eigentlich für jeden was dabei. Je nachdem was einem liegt", fügt Anne Völker hinzu.
Zehn Seiten Aufsatz
Im Deutsch-Abi stehen fünf Aufgaben zur Wahl, von denen die ersten drei die Sternchenthemen umfassen, die vierte ist eine Erörterung und die fünfte Aufgabe befasst sich mit Lyrik. "Also mir tut ganz schön die Hand weh", klagt Bianca Kolkwitz, die wie viele ihrer Mitschüler im Schnitt mindestens zehn Seiten geschrieben haben. Der Morgen war lang: von acht bis 13.30 Uhr hat die Prüfung gedauert, und selbst der Gang auf die Toilette wird zur Prüfung. Es darf nur einer nach dem anderen gehen und wenn einer mit der Abi-Klausur fertig ist und gehen möchte, dürfen die anderen den Raum nicht mehr verlassen. "Deshalb habe ich meinen Schülern gesagt, sie sollen sich was zum Lesen mitnehmen, und wenn sie fertig sind im Zimmer bei den anderen warten bis zum Ende der Prüfung", erklärt Wolfgang Witschaß, Deutschlehrer am Feudenheim-Gymnasium. Das stille Örtchen ist für manche auch eine willkommene Abwechslung. "Da kommt man mal kurz raus und kann etwas durchatmen", sagt Anna.
Um das Energielevel in den fünfeinhalb Stunden zu halten, hat sich Bianca mit Traubenzucker, Obst und Wasser eingedeckt. "Aber jetzt gönn' ich mir Schokolade", freut sie sich. Die Abiturientin hat sich für die zweite Aufgabe, eine gestaltende Interpretation zu Kleists "Michael Kolhaas" entschieden was von einigen Mitschülern mit entsetzten Gesichtern und einem "bist Du verrückt?" kommentiert wird. Diese Aufgabe er fordert Kreativität, da hier das Verfassen eines richterlichen Anklagebriefes und einer Gegendarstellung des Kohlhaas verlangt wird.
Heute steht den Abiturienten eine der sowohl gefürchtetsten als auch beliebtesten Prüfungen bevor: Mathe. Traum oder Albtraum - an dieser Prüfung scheiden sich die Geister. "Ich habe Angst, dass es so schwer wird wie letztes Jahr. Bei denen lief es ziemlich schlecht," bangt Natascha. "Meine Panik vor Mathe hält sich in Grenzen", sagt Bianca dagegen ganz gelassen und bemerkt, dass sie sich eigentlich ganz gut vorbereitet hat. "Wir werden das Kind schon schaukeln," beschwichtigt Natascha dann doch. Sie ist allgemein sehr entspannt, denn die Abiturientin hat bereits ihren Ausbildungsplatz zur Hotelfachfrau und vom Lernen vorerst genug.
