Feudenheim Gymnasium Mannheim

Heiße Rhythmen auf der Regentonne

Konzert der Stomp-AG

Bericht von Sarah Venohr und Andrea Sohn-Fritsch im Mannheimer Morgen vom 20.06.2008

Langsam tickt eine virtuelle Uhr im Saal. Noch eine Viertelstunde bis zum Beginn der Show. Ein elektronischer "Big Ben" kündigt aus den Lautsprecherboxen die Zeit an. Jetzt geht's los. Der Saal verdunkelt sich, der Vorhang gibt den Blick auf ein paar blaue Fässer frei. Auf einer Großleinwand erscheint das Gehirn eines Embryos. Eine Stimme aus dem Off erklärt, dass beim menschlichen Gehirn ein besonders großer Teil für Musik und Rhythmus zuständig sei. Und genau darum geht es auch beim Konzert der Stomp-AG des Feudenheim-Gymnasiums.

"We will rock You" mit dem Besen

Der Abend nennt sich "Stomp AttAG" und verspricht "eine Reise durch Rhythmus, Show und Entertainment". Die Akteure beginnen, mit Straßenbesen die Bühne zu fegen. Aus den scheinbar zufälligen Kehrbewegungen bildet sich schon nach kurzer Zeit der Rhythmus von Queens "We will rock You" heraus. Wischen, klopfen, schlagen, stampfen - das ist "Stomp", eine Show, die ihren Triumphzug rund um den Globus Anfang der 90er Jahre antrat und auch vor dem Feudenheim-Gymnasium nicht halt gemacht hat.

Die FGM-Akteure ließen sich von den Stompern inspirieren, imitierten erst und entwickelten das Konzept nach und nach mit Comedyeinlagen und selbstkomponierten Songs zu einer abwechslungsreichen Show weiter. Die Bühnenkulisse sowie Licht und Ton gestalten sich sehr effektvoll und professionell durch die Unterstützung eines Schülervaters; die ständig wechselnden Kostüme der Schüler unterstreichen die Vielseitigkeit.
Nachdem die Stomp AGler schon bei verschiedenen Schulaufführungen sowie auf der Feudenheimer Kerwe durch ihr großes Talent überzeugten, ist es nicht verwunderlich, dass die Kulturhalle zum ersten eigenen Konzert so gut besucht ist. Schon in der 5. Klasse begann die kleine Gruppe mit afrikanischen Trommeln, bis sie ihr damaliger Musiklehrer, der mittlerweile pensionierte Joachim Nerz, mit "Stomp" vertraut machte. Mittlerweile werden auch Anleihen der "Blue Man Group" nahtlos ins Programm der Schüler aufgenommen, das an diesem Abend erstmals in voller Länge Premiere feiert.

Publikum gibt den Takt vor

Zur Eröffnung ertönt ein ohrenbetäubendes Trommelfeuerwerk auf großen, blauen Tonnen, begleitet von Schlagzeug, Bass und Gitarre. Ihre rhythmischen Bewegungen passen die Schüler der Musik an. Etwas skurril wirkt so manche Verkleidung mit Regenjacken oder Mülltüten, aber diese Andersartigkeit gehört zum Konzept, das begeistert, fesselt, mitreißt. Kuchenbleche, Einmachtöpfe, Emaille-Tassen oder Topfdeckel werden zu Percussion-Instrumenten, das Publikum macht mit und gibt den Grundbeat vor.
Im Kontrast dazu steht der Auftritt von Matthias Rongisch, der ein eigenes, eher melancholisches Stück am Klavier anschlägt, der Junge mit der Mundharmonika spielt dazu. "The Rippers" spielen Genesis - noch ein Gastauftritt. Aber so richtig in Fahrt kommt das Publikum, wenn es scheppert, stampft und drischt - kurzum wenn die Stomper mit ihren Fässern, Trichtern, Gießkannen, Rohren und Eimern am Werk sind.

Mit Begeisterung wird auch der von der Stomp-AttAG produzierte Kurzfilm aufgenommen. Dieser zeigt den Rhythmus des Alltags auf, zu dem sich eine Taube im Takt bewegt. Klappernde Mülltonnendeckel, wischende Straßenbesen, ein Fahrkartenentwerter bei der Arbeit, eine klappernde Zuganzeige - alles ist Rhythmus und Musik.
Dass Töne tiefer werden, wenn die schwingende Säule länger wird, hat man früher mal in der Schule gelernt. Dass dies auch für Abflussrohre gilt, ist faszinierend. Während ein Schüler ein langes Fallrohr hält und andere dieses Rohr mit Rohrknien und Verlängerungsstücken variieren, trommelt ein anderer darauf, erzielt einen tollen Effekt und bekommt Riesen-Applaus in der voll besetzten Kulturhalle.

Die Stomp-AG, das sind Schüler der siebten bis zwölften Klasse, bis auf eine Ausnahme alles Jungs. Die "Großen", das sind Lukas Fieber, Marian Schimka, Marius Zipf, Fabian Koch und Robert Thome aus der 12. Klasse. Ein halbes Jahr lang wurde für diesen Abend geprobt, wurden Ideen gesammelt und 20 völlig unterschiedliche Stücke mit teilweise überraschenden Effekten einstudiert. "Das ist eine harte Arbeit", bestätigt Musiklehrerin Hildegard Lacroix. Doch die macht sich allmählich bezahlt. Die Stomp-AG wird schon für Auftritte außerhalb der Schule gebucht.



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