Seefahrer-Episode aus China fasziniert

Bericht im Mannheimer Morgen vom 12.11.2008
China Anfang des 15. Jahrhunderts. General Zheng He (1371-1435) unternimmt zwischen 1405 und 1433 mit einer gewaltigen Flotte (über 100 hochseetüchtige Schiffe) sieben Expeditionen nach Hinterindien, zum Malaischen Archipel, nach Vorderindien, in den Persischen Golf und das Rote Meer sowie zur Küste Ostafrikas. Die europäischen Herrscher staunen und fürchten sich. Doch nur 20 Jahre später sind die luxuriös ausgestatteten Schiffe der kaiserlichen Flotte verrottet. Was ist geschehen?
In der Stadtbibliothek Feudenheim las Hans Peter Hofmann, freier Schriftsteller und Dozent für Sinologie und Germanistik an der Universität Tübingen, vor Schülern der achten Klassen des Feudenheim Gymnasiums aus seinem neuen, noch nicht erschienenen Buch „Sternstunden Chinas“. „Die große Flotte der Welt – wie Europa noch einmal davon kam“ lautete der Titel des Kapitels, in dem erzählt wird, wie Heinrich der Seefahrer, der einen Seeweg nach Indien entlang der afrikanischen Küste suchte, von dem Auftauchen einer mächtigen chinesischen Flotte vor der Küste Afrikas erfuhr.
Hochseeschifffahrt schien plötzlich möglich. Die chinesischen Schiffe waren bis zu 150 Meter lang und bis zu 16 Meter Oberkante hoch. Die größten der circa 300 Schiffe (Kolumbus hatte nur drei), die über fließend kaltes und warmes Wasser verfügten, hatten 1000 Mann Besatzung. Zur prächtigen Heimkehrparade der kaiserlichen Flotte in Peking kamen Delegationen aus 18 Ländern. Damit war das Ziel der von den chinesischen Kaisern geförderten Reisen, die Welt von der Bedeutung Chinas in Kenntnis zu setzen, erreicht.
Für General Zheng He war es bei einer Auseinandersetzung mit dem höchsten Staatsbeamten um die Fortführung der Expeditionen, in der es um Verschwendung und Grundlagen des Staates ging, schwer, gegen die Konfuzianischen Lehren zu argumentieren. Es wurde beschlossen, dass es keine weiteren Expeditionen mehr geben sollte. Die große Epoche der chinesischen Seefahrt war vorüber.
Die faszinierende Mischung aus Literatur und Fakten, veranschaulicht durch Diaprojektionen, kam bei den 14- bis 15-Jährigen bestens an. Es war mucksmäuschenstill während der Lesung, bei der die Schüler viel über die chinesische und europäische Geschichte, die Kultur und die Menschen vor mehr als 1500 Jahren erfuhren. Danach eröffneten die Schüler ein wahres Frage-Feuerwerk. Sie wollten wissen, was mit den wertvollen Schiffen aus Teakholz geschah und mehr erfahren über die chinesische Sprache und Lebensweise, aber auch über den Autor selbst.
Lehrerin Christiane Helfrich-Rall lobte das Publikum für seine „sehr große Aufmerksamkeit“. „Hans Peter Hoffmann ist es gelungen, sie über eine so lange Strecke zu fesseln und die Aufmerksamkeit zu halten“, sagte sie.
