Feudenheim Gymnasium Mannheim

Gymnasiasten pflegen besondere Partnerschaft

Bericht des Mannheimer Morgen über den ersten Austausch mit Manchester (1988)

Bericht des Mannheimer Morgen vom 10.11.1988

Bei nebligem Herbstwetter sind sie in Frankfurt gelandet. Zwölf englische Schülerinnen der privaten Manchester High School for Girls lernten im Schüleraustausch mit dem Feudenheim-Gymnasium Mannheim und Umgebung kennen. 1986 wurde durch Privatinitiative die Partnerschaft der beiden Schulen begründet, die eine kleine Besonderheit darstellt - ist es doch für deutsche Schulen recht schwierig, eine Partnerschule in Großbritannien zu finden.

Solche Austauschprogramme sind auf der Insel nicht üblich und auch ein finanzielles Problem. Die einzige Möglichkeit stellt oft, wie auch in Feudenheim, eine Privatschule dar. Kein Wunder, daß Lehrerin Ute Bausch, die mit Dörte Brockmann die Partnerschaft auf Feudenheimer Seite betreut, „schon ein bißchen stolz auf die Partnerschaft mit Manchester" ist.

In diesem Jahr gab es jedoch während der Planung durch den langen Poststreik in Großbritannien ein paar technische Probleme. Alle Briefe sind wochenlang liegengeblieben, so daß die Feudenheimer alle Einzelheiten des Besuchs mit Gwen Hobson in Manchester telefonisch regeln mußten. „Die Telefonrechnung ist wohl sehr zur Freude der Post ausgefallen!"

Während ihres Aufenthaltes waren die fünfzehn- bis siebzehnjährigen Mädchen in den Familien von Schülerinnen des Feudenheim-Gymnasiums zu Gast und konnten auch den Schulalltag hierzulande kennenlernen. Am auffälligsten war für die Teenager aus England, daß es an ihrer deutschen Austauschschule nicht so streng diszipliniert zugeht wie daheim.

„Wir müssen aufstehen, wenn der Lehrer hereinkommt und ,Good morning' sagen. Wir dürfen auch auf keinen Fall im Klassenzimmer unsere Brote essen", wunderten sie sich. Außerdem müssen alle mit Ausnahme der Oberstufe die nicht sonderlich beliebte schwarz-gelbe Schuluniform tragen. Von zwanzig nach neun bis zwanzig nach drei sind sie in der Schule, die, so die Engländerinnen „nicht so schön ist wie in Feudenheim, sondern ein nach dem Krieg schnell renoviertes Krankenhaus und ziemlich baufällig".

Ein Jahr vor ihrem Schulabschluß stand für die Mädchen bei der Fahrt nach Feudenheim natürlich das Aufbessern des Schuldeutsch im Vordergrund. „Die Familien haben uns alle sehr freundlich aufgenommen und viele sprechen sehr gut Englisch. Aber das deutsche Essen ist ganz anders; es gibt sehr viel Brot und Käse", so eine englische Schülerin.

Bei ihrem ersten Ausflug in die Mannheimer Innenstadt fiel ihnen die Sauberkeit auf. „Bei uns in Manchester ist alles viel, viel dreckiger. Aber der Schokoladengestank in der Stadt hier ist schrecklich!" meinten sie. Daß die Schülerinnen und Schüler in Feudenheim („Zum Glück gibt es hier auch Jungs", freuten sich die Gäste) fast alle mit dem Rad oder zu Fuß kommen, ist für die Schülerinnen aus Manchester ganz ungewöhnlich. „Unsere High School liegt im Süden Manchesters ziemlich außerhalb und kaum eine kommt mit dem Rad. Viele fahren 20 bis 25 Meilen mit dem Zug zur Schule. Eine Stunde Schulweg ist durchaus normal." Lehrerin Gwen Hobson erzählt, daß Mädchen aus ganz unterschiedlichen Religionen, Christen ebenso wie Juden, Hindus und Moslems, an der Schule sind.

Ute Bausch hatte ein umfangreiches Programm für den Besuch aus Manchester und die Feudenheimer Schülerinnen vorbereitet. Eine Stadtrundfahrt mit Schloßbesichtigung, Besuch einer Weinkellerei in Schriesheim, eine Fahrt nach Speyer zum Dom, die der Freundeskreis des Feudenheim-Gymnasiums spendierte und natürlich eine Theatervorstellung im Nationaltheater gehörten dazu. Nach An gaben von Ute Bausch ist geplant, daß die Feudenheimer im März 1989 nach Manchester fahren.



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